Stadtentwicklung
und Gesellschaft
Sven Wittstock und Marco Hahn
Geschäftsbereichsleiter Bestandsbewirtschaftung

Jeder 7. wohnt bei der SAGA

4,88 Euro durchschnittliche
Nettokaltmiete/m2
in Mümmelmannsberg

Mehr als 500 geförderte Projekte

Die ringförmige Bebauung ist charakteristisch für Steilshoop. Jeder Ring hat einen großzügigen Innenhof, der zugleich Spielplatz und Treffpunkt für die Bewohner ist. Im Ring 7 entstand 2017 das LeNa-Projekt Fehlinghöhe für Menschen mit Unterstützungsbedarf.

Den Kontext im Blick

Die SAGA Unternehmensgruppe betrachtet Quartiere stets ganzheitlich. Investitionen in den Bestand oder der Bau neuer Wohnungen sind ein wichtiger, aber eben nicht der einzige Aspekt eines funktionierenden Quartiers. Vielmehr muss dieses stets als Ganzes gedacht werden. Gute Nachbarschaft gelingt dort, wo das Angebot an öffentlicher Infrastruktur, Mobilität und Kultur den Ansprüchen der Bewohner entspricht. Folgerichtig versteht sich die SAGA Unternehmensgruppe als Quartiersentwicklerin, die der Nachhaltigkeit verpflichtet ist. Ein wichtiger Akteur ist das vor fast 20 Jahren gegründete Tochterunternehmen ProQuartier Hamburg. Mit den Aufgabenbereichen Quartiersmanagement, Stadtteilmarketing und Event-Organisation initiiert, begleitet und moderiert es mit seiner ganzen Erfahrung und Expertise Veränderungsprozesse und bringt dabei Stakeholder in Projekten zusammen.

Funktionierende Nachbarschaften sind die Grundlage für lebenswerte Quartiere.

Sandy Wulf, Leiterin Geschäftsstelle Billstedt-Mümmelmannsberg
Larissa Heessel, Hauswartin in Ausbildung Geschäftsstelle Billstedt-Mümmelmannsberg

Bestandspflege und -modernisierung sind ein essenzieller Teil unserer Arbeit, die sich exemplarisch insbesondere am Beispiel von Hamburgs Großwohnsiedlungen ablesen lässt. Diese entstanden in den 1960er und 1970er Jahren als moderne und zeitgenössische Antwort auf die damals immer noch bestehende Wohnungsnot. Heute sind sie für die SAGA Unternehmensgruppe eine besondere Herausforderung, da sich die Erwartungen an ein modernes Lebensumfeld gewandelt haben. Wie überall begegnen wir diesen mit einem ganzheitlichen Ansatz. Unsere Maßnahmen und das lokale Engagement sind wesentlich langfristiger angelegt. Wir greifen dabei nicht nur auf eigene Investitionen zurück, sondern in einigen Quartieren auch auf Gelder des „Rahmenprogramms Integrierte Stadtteilentwicklung“ (RISE). Das Programm der Stadt Hamburg hat zur Aufgabe, Quartiere mit besonderem Entwicklungsbedarf durch städtebauliche Maßnahmen zu stabilisieren und weiterzuentwickeln. Als Bestandshalterin in vielen RISE-Gebieten arbeiten wir in diesem Rahmen Hand in Hand mit städtischen und lokalen Akteuren.

Eine nachhaltige und integrierte Stadtentwicklung gehört zu zu unserem Selbstverständnis. Sie ist eine tragende Säule unseres Geschäftsmodells.
Boulevard Mümmelmannsberg
Grün und weitläufig: So soll der neue Boulevard in Mümmelmannsberg aussehen. Mit diesem zentralen Ort der Begegnung wird ein wichtiger Teil des Masterplans fertiggestellt.

Zur Entwicklung des Quartiers Mümmelmannsberg setzte die SAGA 2011 einen langfristig angelegten Masterplan auf, dem ein umfangreicher Beteiligungsprozess mit den Bewohnern vorausging. Seitdem haben wir einen Großteil der Maßnahmen umgesetzt. Durch Investitionen von rund 116 Mio. Euro wurden unter anderem 50 Prozent der Bestände und Außenanlagen modernisiert und zusätzlich weitere Teile eines energetischen Konzepts umgesetzt: Mit zwei Blockheizkraftwerken und drei Brennwertheizkesseln wird seit 2015 bzw. 2016 Nahwärme erzeugt. Aktuell steht die Revitalisierung des Quartiersmittelpunktes im Fokus der Maßnahmen: Hier ist es gelungen, gemeinsam mit einem Investor Pläne für ein neues Einkaufszentrum zu entwickeln. So erhält Mümmelmannsberg perspektivisch sein Zentrum zurück. Gleichzeitig widmet sich die SAGA dem zugehörigen Boulevard, der durch die Umgestaltung künftig mehr Aufenthaltsqualität bietet.

Ein lebenswertes Quartier profitiert immer von einer guten Verkehrsanbindung. Anders als viele andere Großwohnsiedlungen verfügt Mümmelmannsberg über einen Anschluss an das U-Bahn-Netz.

Havinghorster Redder
Strahlen jetzt von außen und innen: Die Gebäude in unmittelbarer Nähe zur U-Bahn Mümmelmannsberg wurden in den vergangenen Jahren modernisiert.

Um die Mobilität der Bewohner zusätzlich zu fördern, kooperieren wir seit mehreren Jahren mit einem Car-Sharing-Anbieter, dessen Angebote unsere Mieter zu besonderen Konditionen nutzen können.

Für Sport in den Quartieren engagiert sich ProQuartier Hamburg seit mehr als 20 Jahren über das Sportprogramm „move!“. Auch das ist Teil einer nachhaltigen Quartiersentwicklung, denn Sport bringt Menschen zusammen, belebt Stadtteile, fördert den Zusammenhalt und natürlich die Gesundheit.

SAGA Sportprogramm
Die move!-Saison wird traditionell mit einem Fußballturnier eröffnet.

move! ist ein offenes, kostenfreies und professionell angeleitetes pädagogisches sowie soziales Angebot und wendet sich mit einem niedrigschwelligen Angebot an Kinder und Jugendliche in den Quartieren. In der Saison 2018 wurden mehr als 180 Einzelveranstaltungen in 17 Quartieren durchgeführt – vielfach in Kooperation mit lokalen Vereinen und Trägern. Das Programm hat sich mittlerweile in den Quartieren etabliert und wird weiterhin gut angenommen. Neben den Klassikern wie Fußball, Basketball und Tanzen ergänzten in diesem Jahr erstmals Funsportarten wie Headis (Kopfballtischtennis), Ultimate Frisbee, Flag Football oder Floorball das Programm.

Wir verstehen es als unsere Aufgabe, Menschen den Verbleib im eigenen Quartier zu ermöglichen, die mit zunehmendem Alter verstärkt Unterstützungsbedarf haben. Steilshoop feierte 2019 sein 50-jähriges Bestehen. Viele Mieter sind von Beginn an und über Generationen hinweg „Steilshooper“. Konsequenterweise fiel hier – wie auch in Barmbek und Horn – die Entscheidung für einen Neubau des Projekts „LeNa – Lebendige Nachbarschaft“ mit 85 öffentlich geförderten Wohnungen. In Abgrenzung zu unseren klassischen Service-Wohnanlagen sind unsere drei LeNa-Wohnprojekte innovative und zukunftsweisende Wohn- und Betreuungskonzepte. Sie erleichtern das selbstbestimmte Leben von Menschen, die wegen ihres Alters oder Behinderungen auf Unterstützung angewiesen sind, um deren Kommunikation und gemeinsame Aktivitäten aktiv zu fördern. Dabei sind die LeNa-Projekte immer Herz des Quartiers und bieten einen Anlaufpunkt für die gesamte Nachbarschaft.

Darüber hinaus ermöglichen wir speziell für Senioren unterstütztes Wohnen im Alter in mehr als 20 Service-Wohnanlagen, die so viel Selbstständigkeit wie möglich und so viel Hilfe wie nötig bieten. Dies umfasst die persönliche Beratung und Betreuung, Vermittlung von Hilfs- und Pflegediensten, kleinere Hilfestellungen und die Organisation von Kultur- und Freizeitangeboten. Daneben gehört es zu unserem Selbstverständnis, Barrieren in unseren Objekten und Außenanlagen weiter zu reduzieren.

Ein weiterer Service der SAGA Unternehmensgruppe: Viele unserer Mieter ab 65 Jahren haben zwar keinen Unterstützungsbedarf, möchten aber in eine kleinere Wohnung umziehen, beispielsweise nachdem die Kinder aus dem Haus sind. Speziell für diese Fälle haben wir eine Wohnungstauschbörse eingerichtet, bei der sich Interessierte unkompliziert registrieren können.

Im Bestand der SAGA Unternehmensgruppe in 2018
Im Bestand der SAGA Unternehmensgruppe in 2018

Auch in großen Neubaugebieten wie „Am Weißenberge“ in Hamburgs Norden trägt die SAGA Unternehmensgruppe der alternden Gesellschaft Rechnung, indem dort eine Service-Wohnanlage gebaut wurde. Von den rund 800 Wohnungen des gesamten Quartiers stehen 114 öffentlich geförderte Wohnungen ausschließlich Senioren zur Verfügung. Die Umsetzung von barrierearmen und -freien Wohnungstypen spielt aber auch über komplette Wohnanlagen hinaus immer eine bedeutende Rolle bei Neubauplanungen. So wurden beim Abriss-Neubau-Projekt Washingtonhöfe in Hamburg-Horn 220 nicht mehr zeitgemäße Wohnungen aus den 1930er Jahren durch 294 Neubauwohnungen ersetzt – allesamt barrierefrei.

LeNa
Die LeNa-Projekte sind immer auch Anlaufpunkt für die gesamte Nachbarschaft. Hier treffen sich Jung und Alt, unter anderem bei Nachbarschaftsfesten, zum gemeinsamen Kochen oder Vorlesen.

In der Großwohnsiedlung aus dem Jahr 1969 wurden – unter anderem mit RISE-Mitteln und als deutschlandweit erster Housing Improvement District (HID) – seit 2012 zahlreiche bauliche Maßnahmen, beispielsweise energetische Modernisierungen, die Neugestaltung des Wohnumfelds sowie der zentralen Mittelachse und des Marktplatzes, von rund 8 Mio. Euro umgesetzt. Erst die Kooperation zwischen der Stadt, den ansässigen Wohnungsunternehmen, Genossenschaften, Wohnungseigentümern und weiteren Akteuren, wie aktiven Bürgern oder der Schulbehörde, ermöglichte dieses umfassende Maßnahmenpaket.

Nachhaltige Quartiersentwicklung gelingt immer dort, wo langfristiges und ganzheitliches Engagement vertreten ist. Beispielhaft dafür steht der Ring 7 aus dem Bestand der SAGA Unternehmensgruppe. Hier wurden in sämtlichen Wohnungen die Bäder saniert, das Abfallmanagement umstrukturiert, der Innenhof und die ehemals dunklen Durchgänge unter Einbeziehung der Bewohner neu gestaltet. Insbesondere Letzteres hat die Identifikation der Mieter mit „ihrem Ring“ gestärkt. Zusätzlich wurde der öffentliche Raum modern gestaltet und die Aufenthaltsqualität erheblich gesteigert.

Am Standort wurde zum Abschluss der Modernisierungs- und Neubauarbeiten auch ein Projekt des „Kunst am Bau“-Programms der SAGA realisiert. In Anlehnung an die mit Mosaiken gestalteten Durchgänge des Ring 7 wurde ein „öffentliches Wohnzimmer“ eingerichtet:

Öffentliches Wohnzimmer
Wie bereits bei der Gestaltung der Durchgänge konnten auch bei der steinernen Sitzgruppe des „Öffentlichen Wohnzimmers“ Bewohner einzelne der Mosaiksteine anfertigen und sich so direkt vor ihrer Haustür verewigen.

Steinerne Sofas und Sitzkissen der Künstlerin Anne Ochmann laden seit rund zwei Jahren alle Generationen und Kulturen zum Verweilen und Kommunizieren ein. Die Kombination von europäisch-arabisch-asiatischer Wohnkultur steht auch für das multikulturell geprägte Leben in Steilshoop. Kunst am Bau hat eine lange Tradition bei der SAGA Unternehmensgruppe. Seit der Unternehmensgründung wird Kunst in den Quartieren gefördert, denn sie bringt Menschen zusammen, unterstützt die Kommunikation, das nachbarschaftliche Miteinander und letztlich auch die Identifikation mit dem Quartier sowie die gesellschaftliche Integration.

ProQuartier Hamburg
Gesellschaft für Sozialmanagement und Projekte mbH

Seit 2001 ist mit ProQuartier ein Tochterunternehmen der SAGA Unternehmensgruppe in den Quartieren tätig, das über langjährige Erfahrungen in der Quartiersentwicklung verfügt und erfolgreich erprobte Methoden und Instrumente des sozialen Managements nutzt. Mit dieser Expertise betreibt ProQuartier Hamburg zurzeit Projektbüros in neun Hamburger Stadtteilen und berät weit über den Mutterkonzern hinaus zahlreiche Akteure wie Unternehmen der Wohnungswirtschaft, Stiftungen, Bezirke sowie die Stadt Hamburg. Seit langem sind Partizipationsformate ein wichtiger Bestandteil der Arbeit. So hat ProQuartier Hamburg unzählige Informationsveranstaltungen und zielgruppenspezifische Beteiligungsformate für diverse Auftraggeber begleitet und durchgeführt. Fest verankert im Unternehmen ist dabei die Überzeugung, dass transparente Information und methodisch zielgerichtete Beteiligung immer bedeutsamer für eine nachhaltige und erfolgreiche Quartiersentwicklung werden. Die Gestaltung der Kommunikationsprozesse sollte dabei sowohl offline als auch künftig verstärkt online erfolgen. Für die initiierten Projekte in den Bereichen Quartiersmanagement und -entwicklung wurde das Unternehmen vielfach mit Preisen ausgezeichnet. ProQuartier Hamburg unterstützt nicht nur die Quartiersentwicklung in den genannten Großwohnsiedlungen Mümmelmannsberg und Steilshoop und ist dort mit Projektbüros vertreten, sondern auch die LeNa-Projekte und das Sportprogramm move! fußen auf der intensiven Arbeit des Tochterunternehmens.

Andrea Kelch

3 Fragen An:

Andrea Kelch Geschäftsführerin ProQuartier
Hamburg

Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie in der Quartiersentwicklung bei ProQuartier?
Kelch: Unser Schwerpunkt der nachhaltigen Quartiersentwicklung ist zunächst die soziale Dimension, zusätzlich betrachten wir aber natürlich immer auch ökologische Aspekte. Zunehmend setzt sich ein Perspektivwechsel durch, so dass unter diesen Gesichtspunkten nicht mehr nur einzelne Quartiere betrachtet, sondern diese auch in den Kontext zum Nachbarquartier, der Stadt oder weiter gefassten Referenzen gesetzt werden. Unabhängig davon ist für uns wichtig, dass die Bemühungen vor Ort selbstbestimmt sind, damit sie sich beispielsweise auch über das Ende eines Projektzeitraumes hinaus selbst tragen. Im unternehmerischen Kontext bedeutet Nachhaltigkeit auch die Überlegung, wo Ressourcen sinnvoll gebündelt und eingesetzt, Anstrengungen verstetigt und Projekte bei Erfolg ausgerollt werden können.

Welche Themen treiben Sie aktuell um?
Kelch: Unsere Themenschwerpunkte speisen sich immer aus aktuellen gesellschaftlichen Fragen, denn das sind die Herausforderungen, die uns in den Quartieren begegnen. So werden die Themen demografische Quartiere und Mobilität noch wichtiger. Hierbei, aber auch bei anderen Schwerpunkten unserer Arbeit sind Beteiligungsformate ein wichtiger Aspekt. Beteiligung gelingt, wenn der Rahmen klar abgesteckt ist, und kann dann in großem Maße Akzeptanz schaffen – auch ein Aspekt von Nachhaltigkeit.

Wo geht es hin?
Kelch: Wir wollen die SAGA Unternehmensgruppe dabei unterstützen, bis 2025 bundesweit die erfolgreichste nachhaltige Quartiersentwicklerin zu werden. Dabei bauen wir auf unsere Erfahrung und Stärke in der Vernetzungsarbeit und sehen uns als Vermittler zwischen der Wohnungswirtschaft, Bewohnern und weiteren Stakeholdern.

Nicht nur Sport, auch Kultur, Völkerverständigung, Toleranz und Bildung sind die Stiftungszwecke der SAGA GWG Stiftung Nachbarschaft. Der Name ist Programm bei der 2007 ins Leben gerufenen Stiftung, die seit mehr als zehn Jahren das nachbarschaftliche Leben in den Quartieren durch die Unterstützung von lokal aktiven Initiativen und Projekten fördert. Im Jahr 2018 wurde neben Projekten wie dem Naturerlebnisgarten des BUND Hamburg e. V. in Wilhelmsburg auch die kulturchoc gUG unterstützt. Die Unternehmergesellschaft bietet Frauen mit Flucht- oder Migrationshintergrund eine Beschäftigung bei der Produktion und dem Vertrieb traditioneller Süßigkeiten, fördert gleichzeitig die Sprachkompetenz und ermöglicht so langfristig eine bessere gesellschaftliche Einbindung sowie die Perspektive der Berufsvermittlung.

Naturerlebnisgarten
Der Naturerlebnisgarten in Wilhelmsburg besteht aus verschiedenen Themenbereichen wie Kleinbiotopen, Hochbeeten mit der Möglichkeit zum Gärtnern, Bereichen zur Tierbeobachtung (Wildbienenwand, Nistkästen, Insektenhotels, Schautafeln) sowie einem Gartenhaus. Insbesondere für Kinder in nachmittäglichen BUND­jugend-Umweltgruppen wie auch aus Kitas und Schulen steht der Garten als Erfahrungsraum offen.

Als stiftungseigenes Projekt wurde 2007 das Atelierstipendium „Quartierskünstler auf der Veddel“ ins Leben gerufen, das der Förderung von Kunst und Kultur und der kulturellen Belebung des Stadtteils Veddel dient. Das Stipendium ist aktuell auf jeweils elf Monate angelegt und umfasst die kostenfreie Bereitstellung eines Wohnateliers und eines angegliederten Galerieraums für den Quartierskünstler sowie einen monatlichen Zuschuss von 1.500 Euro zum Lebensunterhalt. Die Entscheidung über die Vergabe erfolgt durch eine Fachjury.